Cacophonia Reviews
PARTY.SAN Open Air 2010

Donnerstag, 12.08.2010 - Die Schlammschlacht kann beginnen!
Mitten im Set von MERRIMACK erreichen wir das Festivalgelände am Rande des beschaulichen Städtchens Bad Berka. Ein Meer von Zelten erstreckt sich bereits am Hang des Geländes und der Andrang vor der Bühne war auch schon enorm. Erst mal ein Willkommensbierchen organisieren, die Kamera vorbereiten und dann ab ins Getümmel. Die mit reichlich Corpsepaint verzierten Franzosen spielen sehr abwechslungsreichen Black Metal, der teilweise sehr schnell daherkommt. Der offenbar neue Sänger passt stimmlich hervorragend und macht mit den Doppelpatronengurten eine passende Figur. Ganz überrascht waren wir allerdings als am Ende der Dreiviertelstunde Spielzeit tatsächlich Zugaberufe gen Bühne hallten! Kompliment, MERRIMACK haben so ziemlich alles richtig gemacht und einen beeindruckenden Party.San-Auftritt hingelegt. Bei einem ersten Rundgang über das Gelände war am Donnerstag vereinzelt noch Rasen sichtbar. Das sollte sich aber noch im Laufe des Abends ändern. Der stellenweise knöcheltiefe Schlamm machte das Fortkommen auf dem Gelände immer schwieriger. Die PSOA-Merchandise-Verkäufer hätten sich jedoch bei dem Andrang klonen lassen müssen, aber auch an vielen anderen Ständen herrschte an diesem Abend Hochbetrieb.
Boller, boller, grunz, grunz … Brutal Death Metal mit fettem Sound. DEVOURMENT sorgten für Bewegung vor der Bühne und lieferten einen super Gig ab. Tiefer, brutaler und tighter geht’s kaum. Für uns waren die Texaner die Überraschung des Tages!
MONSTROSITY sind eine Legende, die es irgendwie nie zum richtigen Durchbruch geschafft hat. Aber uns und den Fans, die seit langer Zeit auf einen Auftritt in Deutschland warten mussten, war das egal. Die Jungs knüppelten lupenreinen florida-death: tief, schnell, groovend und (passend zum Bandnamen) mit einem Monster von einem Sänger!
Die Bühne in blaues Licht gehüllt, betreten die blutverschmierten Musiker und der Background-Chor von THE DEVIL’S BLOOD die Bühne um dann hymnisch und pathetisch das orchestrale Intro zu zelebrieren. Sängerin Farida, die mit ihrer hohen Stimme ein wenig an Tarja Turunen erinnert, dreht sich mit ausgebreiteten Armen in alle Richtungen und reckt das viel beachtete Dekolleté ins rechte Licht. Musikalisch zaubern die Niederländer 70s Rock à la LED ZEPPELIN, der ritualgleich vorgetragen wird, passend dazu gab es eine tolle Lightshow ohne Firlefanz. Eigentlich erstaunlich, dass so eine ‚softe‘ Band auf dem Party.San überhaupt spielen darf, aber den meisten Fans hat es gefallen. Uns auch. Lange, sehr lange, zu lange ließen die Herren von WATAIN dann die Fans im Regen auf sich warten. Gut, zahllose Kreuze, Kerzen, Fackeln, Dreizacks usw. müssen erst mal illuminiert werden und sorgen am Ende des Wartens für ein beeindruckendes Bühnenbild. Doch musikalisch gelingt es den Schweden mit ihrem „Schrammel-Punk“ und wirklich schlechter gesanglicher Präsenz nicht zu überzeugen. Die hat man schon mehrfach besser gesehen. Natürlich durfte die Ansage bzgl. des vierten Todestages des 1998 wegen Beihilfe zum Mord verurteilten Jon Nödtveidt nicht fehlen … von uns aus hätte man dies und die folgende Coverversion jedoch weglassen können. Nur für eine Requisiten-Show 45 Minuten zu warten, hat sich echt nicht gelohnt.
Freitag, 13.08.2010 – Noch mehr Schlamm am Freitag, den 13.
Es wäre zu schön gewesen, wenn es nicht schon wieder geregnet hätte. Das bedeutete nun noch mehr Schlamm, der nun teilweise über knöchelhoch war und erbärmlich stank. Nicht nur für die Besucher war der Gang übers Gelände absurd grotesk oder wurde zur Herausforderung, wenn man seine Schuhe nicht verlieren wollte, auch die Veranstalter mussten mit Hochdruck gegen die Tücken des Wetters kämpfen. Denn nicht mal Bands und Equipment konnten wie gewohnt hinter die Bühne zum Entladen gefahren werden.
Doch auf der Bühne ging es bei unserer Ankunft ganz witzig zu, wenn man den Kopfputz von MILKING THE GOATMACHINE betrachtete. Alle Musikanten trugen getreu ihres Namens Ziegenmasken und wurden von den Fans gefeiert. Deftiges Party-Grindcore-Geknüppel drang in die Ohren und der Sänger wollte wissen ‚Habt ihr Spaß? Dann haben wir unser Ziel erreicht. ‘ In den vorderen Reihen wurden kräftig die Matten geschwungen.
Die nächste unterhaltsame Death/Grindcore-Attacke folgte mit LIVIDITY nach kurzem Umbau und zog erneut zahlreiche Schaulustige vor die Bühne. Mittlerweile hatten Regen und Schlamm sich zu einem verbindenden Element entwickelt, denn jeder war eingesaut, doch das tat der guten Stimmung kaum Abbruch.
Das Old School Thrash-Revival läuft schon seit einiger Zeit und SUICIDAL ANGELS sind ein mittlerweile bekanntes und beliebtes Beispiel für eine recht junge Band dieses Trends. Als wäre man per Zeitmaschine nach 1987 gereist, pfeffern die Griechen ihre Thrash-Salven in die Meute. Plakativ im Hintergrund hing ein riesiges, buntes Backdrop. Cooler Gig! Mit ORIGIN aus Kansas ging es mit technischem Death/Grind weiter, der etwas kompliziert rüber kam und uns nicht so recht überzeugen konnte.
Im Billing gab es anschließend zeitliche Änderungen, so dass wir erst zu OFERMOD wieder vor der Bühne waren und ein ewig langes, lustiges Intro erlebten. Ein Kapuzenmann schrie Texte, die er vom Notenblatt ablas, neben ihm stand ein dicklicher, tätowierter Mann. Der schrie ebenfalls, nur ohne Mikro. Es war eine fast lächerliche Szene, bei der man sich im Fotograben zusammenreißen musste, um nicht zu lachen. Aber die irren Typen wirkten lustig und furchteinflößend zugleich. Man weiß ja nie, ob so einer gleich ein Messer ziehen könnte und den lachenden Fotografen absticht. Musikalisch waren OFERMOD mit fortschreitender Zeit gar nicht so schlecht und boten antikosmischen, schnellen Black Metal , sehr intensiv, stellenweise gar melodisch und richtig böse aber leider wurde das Ganze eben mit zu viel Kaspertheater garniert. Zum Schluss schien auch noch die Gitarre auszufallen, was aber nicht ganz sicher ist, womöglich sollte die Restzeit auch nur für erneute, magische Rituale „genutzt“ werden. Nach ihrer Reunion 2007 dank der PSOA-Veranstalter gaben sich erneut die sympathischen Niederländer ASPYHX die Ehre und fühlten sich laut Herrn van Drunen ‚wie zu Hause auf dem besten Festival in Deutschland‘. Was nun folgte war brutaler Old School Death/Doom mit Klassikern wie „Wasteland Of Terror“ oder „Asphyx (Forgotten War)“. Selbstverständlich widmeten die Musiker „Death … The Brutal Way“ den Veranstaltern. Bobs fetter Schlagzeugsound sowie die treibenden Gitarren waren perfekt abgestimmt. Ein denkwürdiges Wiedersehen!
Wie ebenfalls 2007 im strömenden Regen kehrten auch DYING FETUS in diesem Jahr nach Thüringen zurück. Musikalisch dominierten diesmal aber mehr langsamere Passagen von der neuen Scheibe. Dafür gab es einen faszinierend perfekten Gitarrensound! Technisch spielten die Amis wie immer sauber, genial teamstark und konnten nicht nur ihre zahlreichen Fans begeistern. Von uns aus könnten die sowieso jedes Jahr auf dem Party.San spielen. Erinnerungen an unsere Lieblingsband CELTIC FROST wurden beim groovenden Old-School-Black-Metal der Norweger SARKE wach. Der Gesang von Mastermind Nocturno Culto erinnerte bisweilen sogar an Venom-Fronter Cronos. Donnernde Riffs und gewaltiger Schlagzeugsound, die die mitreißenden Songs vor allem ausmachen, wirkten auf viele Fans und Metaller, die SARKE vorher noch nicht kannten, wie hypnotisierend und dennoch zum Haupthaarschütteln geeignet. Die Nordmänner waren ein würdiger Co-Headliner und für uns eine der besten Bands des ganzen Festivals. Absolut spektakulär!
Fünfzehn Jahre nach ihrer Auflösung folgte nun die mit Spannung erwartete Reunion von AUTOPSY. Zwei Drittel des Original Lineups waren mit Chris Reifert und Eric Cutler von der Partie. Dazu kamen mal wieder ein neuer Bassist, diesmal kein geringerer als Thrash-Legende Danny Lilker, und ein zweiter Gitarrist. Die riesige Menge vor der Bühne genoss ein brutales Old School Death Metal-Massaker, das soundmäßig wesentlich besser war als auf den alten Alben. Viele begeisterte Fans hörten die „Severed Survival“-Songs zum ersten Mal live. Zwischen den Feuerwalzen und dem Nebel auf der Bühne drang die Death Metal-Walze in die verregnete Nacht. Samstag, 14.08.2010 – Matsch mit Sonne
Unglaublich! Sonne! Nachdem der Regen überstanden war, genossen wir die Sonne und dabei rockten TRIBULATION überraschend explosiv ab. Die jungen Schweden packten ordentlichen Death Metal aus und erinnerten musikalisch an MORBID ANGEL. Gitarrist A. Zaars ähnelte dabei mit Outfit und Posing total Trey Azagtoth. Solider Gig! Die finnischen Newcomer GHOST BRIGADE spielten dann alternativen Gitarrenrock mit Depri-Charakter, das war nicht so ganz unser Fall.
Das westdeutsche Old-School-Quartett DESASTER stellte anschließend das genaue Gegenteil dar! Die Koblenzer sprühten nahezu vor Spielfreude und auch das obligatorischen Posing durfte bei dem 40-minütigen Black/Thrash-Feuerwerk aus zwanzig Jahren Bandgeschichte natürlich nicht fehlen. Als besonderes Schmankerl animierte Sänger Guido die Fans zu einem netten Ständchen anlässlich des „30.“ Geburtstags von Drummer Tormentor ;-)
Über VARG war in den vergangenen Monaten eine regelrechte Schlammschlacht hereingebrochen, wurden sie doch einerseits von manchen in der politisch extrem rechten Ecke verortet, andererseits von den ehemaligen Freunden (?) der NSBM-Szene im Internet undercover als treue Anhänger der Nazi-Ideologie beschimpft. Insofern war es für uns interessant zu erfahren, wie sich die Coburger musikalisch schlagen würden. Nun denn, ideologisch haben sich VARG hier sicher nichts zu Schulden kommen lassen … die Pagan-Metal typische rot-schwarze Bemalung fanden wir allerdings schon mal eher platt und abgedroschen, die Musik irgendwie glatt und wenig emotional. Auf uns wirkten VARG wie eine Art DIMMU BORGIR des Pagan Metal, unsympathisch professionell und mit Show-Effekten hochgejazzte Musik, die uns nie vom Hocker riss. Kein Wunder, dass die auch in Wacken spielen durften …
Völlig unkonventionell (und daher dem Gedanken des Underground für unseren Geschmack viel eher verhaftet) traten dann MANEGARM inklusive verrücktem Geiger auf. Den Sound der Schweden zu kategorisieren, fällt schwer. Irgendwo ist es eine Mischung aus Black Metal mit Folk-Elementen oder auch manchmal Pagan Metal mit Klassik-Elementen. Ganz merkwürdig. Jedenfalls wurde sich ohne Firlefanz ganz auf die Musik konzentriert, die viele Zuschauer in den Bann zog, uns ebenfalls.
Voller Vorfreude warteten wir nun auf unseren „heimlichen Headliner“, NECROPHAGIST aus Karlsruhe. Deren extrem technischer Death Metal ist auf Konzerten und Festivals jedenfalls immer geeignet, um allen Anwesenden die Kinnlade runterklappen zu lassen. Nicht nur die instrumentalen Fähigkeiten der Musiker wissen vollends zu überzeugen sondern auch die freigesetzte Energie und Aggressivität eines NECROPHAGIST-Auftritts ist immer wieder bemerkenswert. Die Hits des Über-Albums „Epitaph“ wurden fast ohne eine Miene zu verziehen, mit alles vernichtendem Sound und ekstatischer Durchschlagskraft in das weite Rund geballert. Einfach überwältigend! Und natürlich viel zu kurz. Der von vielen Anwesenden lang erwartete Auftritt der norwegischen Black/Thrash-Legende AURA NOIR war schlichtweg genial. Zu lange hatte man auf die Darbietung der „Black Thrash Attack“ gewartet. Glückliche Gesichter so weit das Auge reichte! Zum völligen Kult avancierte der Gig dann als Bandgründer Aggressor, der vor fünf Jahren einen schweren Unfall hatte und seitdem auf den Rollstuhl angewiesen ist, zur Überraschung selbst einiger Bandmitglieder, auf Krücken auf die Bühne kam und mit seinen alten Kumpanen den Song „Sons of Hades“ anstimmte. Da hat das Party.San mal wieder Geschichte geschrieben!
NAPALM DEATH beweisen nun schon seit Urzeiten, dass sich (linke) Gesellschaftskritik und extreme Musik keinesfalls ausschließen! Im Gegenteil, die energiegeladene Performance von Derwisch und Frontsau Barney sowie die knüppelharten Death Metal/Grindcore-Granaten der Engländer zelebrieren regelrecht die ganze, angestaute Wut auf Globalisierung und damit verbundene menschenverachtende Zustände, die sich hier unvergleichlich brutal entlädt. Da können sich so manche Hardcore-Jungspunde immer noch eine Scheibe von abschneiden. Musikalisch wurde ein Querschnitt durch die gesamte Karriere geboten, von „Scum“ über den kultigen Klassiker „Suffer the Children“ bis hin zu Songs des aktuellen Albums „Time waits for no Slave“ war alles vertreten, worauf der geneigte NAPALM-Fan nur gewartet hatte. Natürlich durfte auch das Statement schlechthin nicht fehlen: Barney rief: ‚Nazi-Punks‘ und das Publikum brüllte tausendfach zurück: ‚Fuck Off!‘ und ab ging es mit dem gleichnamigem Cover-Song der DEAD KENNEDYS. Auch dieser Auftritt war definitiv ein weiterer Höhepunkt des Festivals!
Eine der einflussreichsten Bands für die gesamte Death-Metal-Welt folgte mit den Brutalo-Amis SUFFOCATION. Mit Nackenbrechern wie „Liege of Inveracity“ vom legendären „Effigy of the Forgotten“-Album konnten wir uns keinen besseren Einstieg wünschen und so knüppelten und grunzten sich die Männer um Fronter Frank Mullen durch einen Set, der jederzeit hochklassig dargeboten wurde und angesichts des glasklaren Sounds aus den riesigen P.A.-Boxen mehrfach Gänsehaut verursachte. Brutal as fuck
LOCK UP wurden von uns im Vorfeld unwissender Weise als „unbekannte Metalcore-Band“ angesehen und dann leider prompt verpasst. Dass sich hier Musiker wie Nick Barker und Thomas Lindberg im Grindcore austoben, haben wir erst hinterher erfahren. Schande über uns ;-)
Es ist ja immer schwierig, eine Band zu reviewen, die ein treues, großes Following hat, mit der man selber aber nie so recht warm werden konnte. So erging es uns mit CANNIBAL CORPSE. Für die meisten Party.San-Fans zählten die Songs von „Tomb of the Mutilated“ oder „Gallery of Suicide“ offenbar zu den Highlights des ganzen Sommers, für uns bildete der Auftritt jedoch leider nur einen (immerhin) sehenswerten Festivalabschluß. Die Stimmung war jedenfalls gigantisch und „Sänger“ Corpsegrinder hatte ganz sicher eine Menge Spaß an der Sache. Der Band war deutlich anzumerken, dass auch diese Superstars der Death Metal Szene nicht jeden Samstag ein Festival mit 10.000 Zuschauern headlinen und dass sie die Einladung des Party.San sehr zu schätzen wussten.PARTY.SAN Open Air 2009
Einmal „Hölle“ und zurück!Zum 15. Mal fand am zweiten Augustwochenende 2009 Deutschlands größtes Death-, Thrash- und Black-Metal-Festival statt. Neben der Creme de la Creme des schwedischen Black Metal, zogen vor allem US-Death und „true norwegian Black Metal“ die satanischen Horden mal wieder in das kleine Örtchen Bad Berka bei Weimar … womöglich leider zum letzten mal, ging doch am Festival-Samstag das Gerücht, die Veranstalter hätten für 2010 keine Erlaubnis bekommen, das Gelände zu nutzen und suchen bereits einen Ersatz in der Nähe von Jena. So könnte das PSOA 2009 als letztes in Bad Berka in die Metal-Geschichte eingehen … musikalisch und organisatorisch war es natürlich sowieso wieder über jeden Zweifel erhaben.
Donnerstag - Panzerdivisionen

Als wir auf dem Festivalgelände ankommen, erblicken wir bereits ein Meer von Zelten und jede Menge Headbanger vor der Bühne, die dem Auftakt eines der genialsten Festivals der Saison entgegenfiebern.
POSTMORTEM
Ob als Brutz & Brakel-Cocktailmischer-Institution oder mit POSTMORTEM die Berliner Jungs sind auf dem PSOA gute alte Bekannte. 2009 eröffnen POSTMORTEM das Festival mit Sirenengeheul und heftigen Gitarrenwänden. Gespannt hatte sich am ersten Abend schon eine recht zahlreiche Metallerschar vor der Bühne versammelt, die nach den „offiziellen“ Begrüßungsworten nach METAL lechzte! Zum dritten Mal dabei nach 1998 und 2003 knallen die Hauptstädter den Zuhörern ihren klassischen Thrash um die Ohren, der aber modern klingt und auch für jugendliche Metalcoreler kompatibel sein dürfte. Selbstverständlich fehlte auch die Aufforderung zur hochprozentigen Stärkung am heimischen Brutz & Brakel-Stand nicht. Ohne „White Russian“-Cocktails geht’s ja beim PSOA eh schon seit Jahren nicht mehr ;-)
AZARATH
Die ersten düsteren Death/Black Metal-Klänge gaben die Polen von AZARATH zum Besten. Damit begann der Reigen zahlreicher Death- und Black Metal-Acts, für die das PSOA so beliebt ist.
PSYCROPTIC

Die Australier waren für uns das Highlight und die Entdeckung des Festivalauftakts! Mit ihrer Death Metal-Grindcore-Mischung sorgten die Jungs aus Down Under für kreisende Haarschöpfe und begeistert staunende Mienen im Publikum, auch wenn der von Sänger Jason geforderte Moshpit noch nicht zustande kam. Unerbittlich bangten die „tasmanischen Teufel“, der phänomenale Drummer blastete alles weg und so legten PSYCROPTIC einen brachialen Auftritt hin, der noch lange in Erinnerung bleiben wird. Zu vorgerückter Stunde waren dann schon einige Ausfälle zu beobachten als Headbanger nach zu viel Alkohol zusammenbrachen und mitten auf der Wiese liegenblieben.
DESTRÖYER666
Die Landsleute und exil-Australier DESTRÖYER666 haben ihre Basis mittlerweile in Holland aufgeschlagen und bekamen in einem bekannten Szene-Magazin zuletzt überragende Kritiken für ihre Alben. Dafür, dass die Death/Thrasher schon vor über zehn Jahren auf deutschen Festivalbühnen standen, kam die Erkenntnis zwar ganz schön spät … aber besser spät als nie. Nun ja, viele Zuschauer fanden die Band offenbar dann auch so fantastisch und man hörte allenthalben Begeisterung. Uns kamen DESTRÖYER666 früher irgendwie derber und authentischer vor … Ein Ausfall war der ursprüngliche old-school-Sound natürlich nicht, aber irgendwie auch nur ein bisschen die Ruhe vor dem Sturm.
MARDUK

Ohne mit der Wimper zu zucken legen MARDUK mit „Panzerdivision Marduk“ und „Baptism By Fire“ gleich zu Beginn mit zwei Oberkrachern der Bandgeschichte los. Und das kam beim Publikum ganz hervorragend an! Umso erstaunter mussten all jene reagieren, die im Vorfeld nicht mitbekommen hatten, dass die Schweden ihren 99er Geniestreich „Panzerdivision …“ in voller Länge zum besten geben würden. Sänger Mortuus zeigte sich umgeben von den Matten schwingenden Morgan und Lars als perfekt martialisch posender Frontmann. Feuersalven, Nebel und teilweise blutrotes Licht umrahmten den gefeierten Auftritt der Black Metal-Legende. Mit fantastischem Sound erhob Mortuus einen Kelch, trank daraus Blut und ließ es langsam seinen Körper hinunter rinnen. Bandkopf und einzig verbliebenes Mitglied Morgan schien die Show zu genießen, gab sich völlig dem Gitarrenspiel hin. Kein Wunder bei tausenden Jüngern und Schaulustigen vor der Bühne, die anderthalb Stunden einem unglaublichen Auftritt bis morgens um 1:45 Uhr folgten.
Freitag – All right Party-San!
SUMMERS DYING
Als wir am Freitag bei herrlichstem Sonnenschein wieder auf dem Festivalgelände eintrafen, schmetterten schon SUMMERS DYING ihre dunklen Klänge in die noch überschaubare Schar vor der Bühne. Nach einer langen, kalten Partynacht waren erst wenige aus ihren Zelten gekrochen und wieder aufnahmefähig. Nach einigen Bierchen steigerte sich aber dann die Stimmung und ein paar Wolken verdeckten die stechende Sonne.
GRABAK
Da die Franzosen GLORIOR BELLI ausfielen, fanden die PSOA-Organisatoren mit GRABAK kurzfristig einen Ersatz. Die Leipziger Schwarzkittel machten ihre Sache gut und schmetterten überwiegend schnellen Black/Thrash ins „Sonnenstudio PSOA“.
INHUME

Nicht nur unter Kennern der Grindcore-Szene haben sich INHUME einen Namen gemacht. Unverkennbares Merkmal der Niederländer sind die beiden ununterbrochen wie Derwische über die die Bühne tobenden und sich die Seele derbe aus dem Leib schreienden Sänger. Außerdem entpuppen sich die beiden noch als Witzbolde mit ihren sympathischen Ansagen „wir spielen jetzt eine Ballade“, ja wer’s glaubt wird wohl seelig! INHUME sorgten definitiv für den größten Moshpit auf dem diesjährigen PSOA. Das soll den Niederländern erst mal einer nachmachen! In Sachen Metal/Grindcore-Entertainment auf und vor der Bühne sind INHUME absolute Meister.
SOLSTAFIR
Von zahlreichen Fans sehnsüchtig erwartet, wurden die Hut- bzw. Zöpfe-tragenden Isländer SOLSTAFIR. Mit ihrem zähen Psycho-Rock sorgten die vier für recht exotische, ruhige Klänge, bei denen man sich auch gut der Mittagsruhe entweder in der brutzelnden Sonne oder einem der wenigen Schattenplätzchen widmen konnte. Die Nordmänner genossen nicht nur ihren Auftritt sondern auch das gesamte Festival. So mischten sie sich täglich ins Publikum und feierten mit.
DEN SAAKALDTE

True Norwegian Black Metal mit schwedischem Sänger bietet die Truppe um SHINING-Niklas, der heute ganz gut drauf zu sein scheint, hat kaum körperliche Ausfälle zu verzeichnen und puscht sich zwischendurch immer wieder mit Jim Beam auf. Seine Gesangsleitstung ist über jeden Zweifel erhaben, kalt, bedrohlich und true. Wirklich guter Gig! Wir sind positiv überrascht.
SWALLOW THE SUN
EVOCATION haben wohl ihren Stil geändert??!! Nein, zum Glück nicht! Auf der Bühne stehen SWALLOW THE SUN, die mit den schwedischen Death Metallern die Reihenfolge im Billing getauscht hatten, da diese wohl noch irgendwo im Stau standen. Nun, die recht melodiöse musikalische Ader der Finnen stößt beim Publikum auf verhaltene Reaktionen. Zum im Gras sitzen und Gras einnehmen war der Vortrag aber doch gut geeignet …
EVOCATION
Voller Energie und Brutalität spielen anschließend EVOCATION feinsten schwedischen Death Metal. Den Jungs war die Motivation förmlich anzusehen und so werden sie auch entsprechend wohlwollend vom Publikum aufgenommen. So eine Band passt eigentlich zu jedem Festival, gute Musiker, fetter Sound und Spielfreude pur!
HATE ETERNAL
Die Reihe der völlig irrsinnigen Schlagzeuger bei HATE ETERNAL setzt seit kurzem ein gewisser Jade Simonetto fort, der seinen technisch göttlichen Vorgängern Yeung und Ruddy erstaunlicherweise in nichts nachsteht. Da fragt man sich schon, wo Herr Rutan diese Talente immer ausgräbt. Jedenfalls gewinnt sein Florida-Death-Metal durch das immens brachiale Double-Bass-Gewitter einiges an Düsternis, das obligatorische Gitarren/Bassgeschwader mit Riffgewittern ohne Ende nicht zu vergessen. Allerdings verhinderte der leider nicht ganz so präzise Sound die gewohnte vollkommene Brutalität HATE ETERNALs. Bodybuilder Eric Rutan hingegen brüllte wie immer löwenartig ins weite Rund aber wirkte dabei auf der riesigen Bühne etwas statisch und verloren.
MISERY INDEX
Moderner brutaler Death Metal – dafür stehen die Amis und beweisen dies auch der Masse vor der riesigen Bühne. Diese huldigen zuhauf Sparky und seinen Mannen mit einem Moshpit und machen ordentlich Rabbatz vor der Bühne. Ein energiegeladener, starker Auftritt der sozialkritischen Amis!
UNLEASHED

Schon während des Soundchecks hallten die UNLEASHED-Rufe gen Bühne. Johnny und seine Kompagnons zelebrieren Hits aus ihrer 20jährigen Bandgeschichte am laufenden Band. Ob „Into Glory Ride“ von der ersten Veröffentlichung bis zum Stampfer „Midvinterblot“. Zum krönenden Abschluss dürfen „To Asgaard We Fly“ und die durch Mitsingspielchen gekrönte Hymne „Death Metal Victory“ nicht fehlen! Die textsicheren Fans fressen den Schweden förmlich aus der Hand und feiern sie gebührend ab. Metal-Party-Stimmung vom feinsten!
SATYRICON

Perfekter Sound, professionelle Show … und Satyr wirbelt sowohl seinen Dreizack als auch das Keyboard (!?) durch die Luft. Na ja, bisschen muss er ja den Harten raushängen lassen wenn man es ihm optisch schon kaum mehr abnimmt. Dafür stimmen die Laserlight Effekte und mit der zehnminütigen Hymne „Havoc Vulture“ erklingt ein erstes Highlight. Das Publikum wird schön mit einbezogen, die Keyboarderin bangt sich den Arsch ab und der Maestro selbst kann es sich natürlich nicht nehmen lassen, auch noch eine Gitarreneinlage zum Besten zu geben. Dazwischen immer wieder heiße Feuersäulen und bis ins Detail eingeplante Choreographie aller Beteiligten … kam schon alles ganz gut rüber … aber rebellisch oder extravagant sind SATYRICON 2009 sicher überhaupt nicht mehr.
Samstag – Come on Motherfuckers!
HELLSAW

Black Metal und Sonnenschein zum Wachwerden funktioniert hervorragend! Dies bewiesen HELLSAW vor einer recht großen Fanschar und konnten sie sogar zum Mitklatschen animieren. Ja, obwohl die Österreicher düsteren Black Metal spielen, merkte man HELLSAW die Spielfreude an. Die Gitarristen bangten, was das Zeug hält und sprangen über die Bühne. HELLSAW dürften eine Menge neuer Fans an diesem Mittag gewonnen haben!
BENEATH THE MASSACRE
Wer erst jetzt aus dem Schlafsack geklettert war, wurde unweigerlich durch BENEATH THE MASSACRE wachgeknüppelt. Technischer Death Metal aus Kanada, der voll durch Mark und Bein geht. Der Einsatz der Kanadier wird mit zahlreichen kreisenden Rüben im Publikum anerkannt!
PAGANIZER
PAGANIZER zocken MORBID ANGEL-mäßigen old school-US-Death-Metal, was ja nicht grundlegend verkehrt ist ;-) Leider wirken die Typen mit Basecaps und Bermudas nicht gerade evil sondern mehr wie eine schwedische Version der Beach Boys. Trotzdem eine gute Band, die man sich immer mal wieder reinziehen kann.
SHINING
Bei wirklich sehr präzisem und druckvollem Sound präsentiert sich Niklas erneut nicht als böser Bube, und statt Tritten gegen Fans verteilt er diesmal Zungenküsse an seinen Bassisten. Überwiegend spielen SHINING neuere Songs vom vierten und fünften Album, schwer schleppend bis rasend hypnotisch … hier wird der totale Black Metal-Spirit dargeboten … oder besser der pure Rock’n’Roll. Eine Riesenmenge findet sich vor der Bühne ein … als der letzte Ton der irren Skandinavier verklungen ist, wandern jedoch viele Black Metaller Richtung Campingplatz ab.
BRUTAL TRUTH
Zwei Jahrzehnte Grindcore aus New York steht als nächstes auf dem Programm. Extrem und brutal geht’s zur Sache, Sänger Kevin Sharpe bewegt sich barfuß und mit Cowboyhut ausgerüstet über die Bühne. Danny Lilker am Bass lässt seine Matte kreisen. Doch der Funke will für unseren Geschmack nicht so recht überspringen.
SADUS
Härtester old school Thrash from California vom feinsten! Der Double Bass knallt ordentlich in die Eingeweide, Gitarren sägen, dass es seine Freude ist. Es war eine super Idee der PSOA-Veranstalter diese Metal-Legende zu verpflichten. Thrash from whomb to the grave! Vom Allerfeinsten!
BRUJERIA

„Spreken Sie Espanol?“ ging es los mit Latino-Grind-Death-Groove. Fahndungsfotos konnten kaum angefertigt werden, da die Bande maskiert den musikalischen Überfall beging. Während es immer stärker regnete, konnten die Massen dem Wetter trotzen und bei Fragen wie „Marijuana?“ ein tausendfaches „Si!“ antworten. Ganz besonders fanatisch abgefeiert wurde die All-Star-Gang von all den spanisch sprechenden Fans aus aller Welt. Großes Kino mit Kultfaktor!
DARK FUNERAL

Die Bühne in blutrotes Licht getaucht, Nebelschwaden stiegen auf und ein diabolisches Intro ertönte. Zeit für DARK FUNERAL! Unfassbar klarer, druckvoller Sound, Drummer Dominator zeigt allen Anwesenden, wo der Hammer hängt. Schneller, präziser und brutaler geht es nicht. Der letzte Song „An Apprentice Of Satan“ ist erneut eine Offenbarung für jeden Black Metaller. Auf der riesigen PSOA-Bühne kommt zudem das spektakuläre Backdrop höllisch gut zur Geltung.
SIX FEET UNDER
Sollte jetzt schon die letzte Band des Festivals die Bühne erklimmen?! Wir hatten uns doch gerade erst so gut eingelebt! Der Abschiedsschmerz kann mit SIX FEET UNDER dann doch gelindert werden, die die PSOA-Organisatoren als Headliner für den Samstag gewinnen konnten. Egal in welchem Zustand - die Fans strömten vor die Bühne. Chris Barnes zeigte sich mit seiner markanten Röchelstimme in Bestform, schleuderte seine schier unendlich langen Dreadlocks ständig durch die Luft und ließ seine Klampfer Terry Butler und Steve Swanson „im Dunkeln stehen“. Ehrlich gesagt, hätte ich nicht mit einer Zugabe gerechnet. Aber die Amis überlegten es sich doch und kamen zum krönenden Festivalabschluss mit dem lautstark mitgegrölten AC/DC-Stampfer „TNT” nochmals auf die Bühne zurück.
Die PSOA-Veranstalter haben wieder ein hervorragendes Händchen für die richtige Bandmischung im Death und Black Metal bewiesen. Über Organisation, Preise und das gesamte Drumherum haben wir nur positives zu berichten. Wir haben ein Metal-Wochenende mit ausgezeichneter Mucke, Freunden und hauptsächlich Sonnenschein sehr genossen! Wer sich bis zur nächsten PSOA-Ausgabe nicht gedulden kann, für den gibt es beim Party.San Winter War u.a. mit NECROPHOBIC, D.N.S. und IMPERIOUS MALEVOLENCE am 31.10.2009 in Weimar ordentlich was auf die Ohren. Party.San – wir freuen uns schon auf die 16. Ausgabe im nächsten Jahr vom 12.08. – 14.08.2010. Also Leute, dieses Datum gleich mal vormerken!
Klassiker der Moderne
METALLICA am 12.09.2008 in Berlin
Gerüchte über ein METALLICA-Konzert in Berlin hatte es schon lange gegeben.
Die Tickets seien nur für Fanclub-Mitglieder erhältlich und der Eintritt sei
extrem billig. Kurz vorm Release des neuen Albums "Death Magnetic" wurde dann
klar, dass Karten für 10 Euro für Jedermann erhältlich sein würden. Natürlich
waren die 17.000 ruckzuck vergriffen.

Schauplatz des Spektakels sollte die nagelneue O2-World unweit der
Oberbaumbrücke sein. Dieser Science-Fiction-artige Eishockey- und Basketball-
Tempel nimmt ein riesiges Areal am alten Postbahnhof mitten im Herzen Berlins
ein. Ein Jahrzehnt lang wurde hier der Underground gepflegt. Industrial-
Discos, Rockabilly-Clubs und Bandproberäume mussten aber 2002 weichen, um den amerikanischen Investoren den Bau ihres Mega-Projekts zu ermöglichen. Klarer Fall, dass viele Berliner diese kommerzielle Arena ablehnen und den alten
Zeiten hinterhertrauern. Umso listiger ist der Entschluss zu bewerten, eben
diese Underground-Rocker zur Einweihung dann doch in die Halle zu locken,
indem die legendärste Metal-Band überhaupt ein Konzert "vor allem für ihre
langjährigen Anhänger" ankündigt. Und das noch zum völlig unkommerziellen
Dumping-Preis. Und so kamen sie dann doch alle.
Schon die imposante Front der O2-World ließ darauf schließen, dass dieser
Abend beeidnruckend werden würde. Ok, die Halle selbst mit ihren nervigen
Werbeleuchtbändern überall im Innenraum sowie der steilen Bestuhlung könnte
genau so auch schon lange in Atlanta oder in Los Angeles stehen, ist aber für
Berliner Verhältnisse tatsächlich gewaltig und topmodern! Nach über eineinhalb
Stunden Wartezeit ging es dann endlich los:

Mit "The Ecstasy of Gold" ertönt das seit 1982 verwendete Western-Intro durch
die abgedunkelte Arena und die Gladiatoren betreten die zentral in der Mitte
positionierte Bühne. METALLICA eröffnen den Set mit einigen Songs vom neuen
Album (die sogar recht hart und "back to the roots" rüberkommen) um dann aber
doch ihr Versprechen wahr zu machen und den Fans der ersten Stunde die
Klassiker "The Thing that should not be" oder das alles überragende "For whom
the Bell tolls" entgegenzufeuern. Der Sound ist glasklar, die Gitarren braten
fetter als jemals zuvor und die Bandmitglieder steigern sich mit fortdauernder
Spielzeit in einen wahren Rausch. Sänger und Gitarrist Hetfield plaudert
locker mit dem immer ekstatischer reagierenden Anhang und Bassist Trujillo
watschelt in seinem typischen Entengang, den Bass zwischen die Schenkel
geklemmt, über die Bühne. Sogar Leadgitarrist Kirk Hammett merkt man die
Spielfreude an und mit seinen wieder länger gewachsenen Locken sieht er
tatsächlich aus wie damals, 1986, als das Meisterwerk "Master of Puppets" die
Metal-Welt in den Grundfesten erschütterte. 22 Jahre soll das nun her sein?
Eine Zeitspanne, in der die Band längst zu den Oldies gehören sollte und bei
Jugendlichen der Jetztzeit nur ein mildes Lächeln hervorrufen dürfte. Aber
METALLICA sind nicht die STONES! Zwar rekrutieren sich die Anwesenden zu einem großen Teil aus 30- bis 50jährigen, aber auch die jüngere Generation lässt im Innenraum zu Metal-Evergreens wie "One" und "Master of Puppets" ordentlich die Sau raus. Der Abend neigt sich dann nach über zwei Stunden dem Höhepunkt
entgegen und die Kalifornier wissen was von ihnen zum Schluß erwartet
wird: "Seek & Destroy", der Mega-Hit vom 83er Debütalbum entlockt dem
schweißgebadeten Mob die letzten Reserven und wird von 17.000 begeisterten
Kehlen frenetisch mitgesungen. "Thank you Berlin, you have made METALLICA a
very good time!" verabschiedet sich James Hetfield von seinen Jüngern und wir
können nur stammeln: "Thank you METALLICA! You have made METALLICA-Fans a very good time!" Dass wir das noch erleben durften!
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PARTY.SAN Open Air 07.08. – 09.08.2008
Längst vergessen und verdrängt war die letztjährige Schlammschlacht von Bad Berka. Das hochkarätige Billing 2008 ließ mächtig aufhorchen, so dass das PSOA für uns zum lang ersehnten Pflichtprogramm wurde. Und der Wetterbericht war ja ausnahmsweise mal recht positiv.
Donnerstag: Metal-Feuer frei!
PURGATORY
Ein gern gesehener Gast auf deutschen Festivals sind die vier aus Nossen bei Leipzig natürlich seit Jahren. Pünktlich zur Veröffentlichung ihres neuen Albums "Cultus Luciferi" blasen die Sachsen ihren Old-School-Death-Metal als allererste Band in das zu diesem frühen Zeitpunkt schon gut gefüllte Festivalgelände. Schätzungsweise 3-4000 Leute haben sich versammelt und nehmen die ersten Biere bei gutem Festivalwetter ein. PURGATORY bieten hierzu den optimalen Soundtrack da sie die Fans mit ihrem eher eingängigen Sound nicht überfordern aber trotzdem gut Druck entwickeln und den ein oder anderen zum Nackenmuskelsport animieren. Gelungene Eröffnung!
DEADBORN
Damit gar keine Anzeichen von früher Müdigkeit aufkommen können, hielten als nächste Combo DEADBORN die Meute vor der Bühne auf Trab. Sogar ein erster Circlepit bildete sich. Technischen Death Metal schmetterten die Badener Jungs rotzig ins Publikum.
FARSOT

Eine Band, von der ich vorher noch nie etwas gehört hatte und deren merkwürdigen Bandnamen ich überhaupt nicht einordnen konnte sind die Thüringer Black Metaller FARSOT. Beschäftigt man sich dann aber mal mit ihrem inhaltlichen Konzept, so stelle ich fest, dass die Hauptthemen Angst, Tod, Trauer und Hass überzeugend melancholisch, atmosphärisch außerordentlich dicht und beklemmend vorgetragen werden. Die Stage-Performance erinnert etwas an die Schweden WATAIN, so hängt Sänger "10.XIXt" ähnlich wie deren Frontmann "E" am Mikro und schreit seinen Hass und seine Wut in die Welt. Musikalisch tendieren FARSOT allerdings in eine wesentlich düstere, weniger brachiale Richtung. Optik und Akustik passen bei dem Quintett jedenfalls perfekt zusammen und somit kann ich FARSOT als eine positive Überraschung verbuchen.
SKYFORGER

SKYFORGER traten leider nur zu dritt an, da zwei ihrer Kollegen zu Hause geblieben waren bzw. ausgestiegen sind. So klar wurde das nämlich nicht. Doch das tat der musikalischen Darbietung kaum Abbruch. Allerdings fehlte mir letztendlich das Flötenspiel von Kaspars, das die SKYFORGER-Songs bislang immer so unverwechselbar machte. Das Publikum zeigte sich begeistert vom Folk Metal, den die Letten natürlich auch in passender Tracht darboten.
DISMEMBER
Fettester Gitarrensound, ne Menge Action auf der Bühne und eine Setlist voller Klassiker: So präsentieren sich DISMEMBER wie gewohnt auch auf dem Party.San 2008! Die Setlist ist seit Jahren immer sehr ähnlich, sodass auch dieses mal die Hits wie „Skin her Alive“, „Bleed for me“ oder „Under a bloodred sky“ zum Besten gegeben wurden. Erstaunlicherweise waren die Songs vom Debüt "Like an ever flowing Stream" klar in der Überhand. Fehlte überhaupt einer? Das Festivalpublikum war mittlerweile auch vollständig erschienen und so konnten die Schweden vor einer riesigen Menschenmenge ihre allseits beliebte und energiegeladene Bühnenshow präsentieren. DISMEMBER sind live nach wie vor eine Macht!
Freitag: Die Panzer rollen!
HAIL OF BULLETS

Dem ersten HAIL OF BULLETS-Auftritt in Deutschland hatte ich schon lange entgegengefiebert. Mit ihrem Debütalbum „…Of Frost And War“ im Gepäck, das nach Veröffentlichung an die Spitzen der Metal-Playlisten schoss, feuerte die holländische All-Star-Combo ein mitreißendes Riffgewitter in die Fanmenge. Pünktlich zum Auftritt schoben sich dicke, graue Wolken vor die Sonne und öffneten kurzzeitig ihre Schleusen. Sonnenschein passt eben einfach nicht zu düsteren Songs über Krieg, Schützengräben und Panzerangriffen. Sirenengeheul kündigte die Endzeitstimmung von „General Winter“ an. Sänger Martin van Drunen schaffte es wie immer mit seinem Charme und lustigen Sprüchen á la „Ihr seid eine tollwuchtige Meute!“ das Publikum für sich zu gewinnen. Mit Klasse und Energie legten die fünf Holländer einen bemerkenswerten Auftritt hin, bei dem selbst der Regen die euphorischen Fans an der musikalischen Front nicht verscheuchen konnte.
KAMPFAR
Schon lange sind KAMPFAR kein Geheimtipp mehr und nicht nur bei Black Metal-Fans beliebt. Die Norweger setzen nicht auf den Spaßfaktor sondern verarbeiten ernsthaft geschichtliche Themen, kommen aber trotzdem oder gerade deshalb bei den Fans live sehr gut an. Auch in Bad Berka ist der durchtrainierte Sänger Dolk ein begehrtes Fotoobjekt, besonders natürlich bei seinen weiblichen Fans. Davon abgesehen legen die vier aus dem Norden einen professionellen Auftritt hin, der trotz gleissender Abendsonne eine düstere Atmosphäre vermittelte. Selbstverständlich durfte die Hymne „Ravenheart“ nicht fehlen!
TÝR
Etwas frohgemuter und melodiöser ging es anschließend weiter. Im Rausch der Pagan Metal-Welle stehen auch TÝR ganz oben auf der Liste der gefeierten Bands. Manch einem ist der Hype schon zu viel, andere können nicht genug bekommen. Sei´s drum! Die Band von den Färöer-Inseln wurde frenetisch bejubelt und ihre Folk-Metal-Melodien gebührend abgefeiert. In der warmen Sonne posten die Musiker zu den hart-beschwingten Songs über Wikingergeschichten. Hörner hoch für diesen Auftritt!
BLOODBATH

Nach dem ich durch die 2008er EP "Unblessing the Purity" zum ersten mal bewusst auf BLOODBATH aufmerksam wurde, war ich äußerst gespannt auf ihren diesjährigen PSOA-Auftritt. Stilistisch passend in blutrotes Licht getaucht, eröffnen BLOODBATH ein Schweden-Death-Metal-Inferno, das seinesgleichen sucht! Zombie-gleich agieren Herr Akerfeldt und seine Mitstreiter auf der von Jahr zu Jahr größer werdenden Bühne und haben die Meute schnell fest im Griff.
BOLT THROWER

Der englische Panzer war nach Bad Berka gerollt! Jedem Death Metaller wurde das Herz ganz warm und er sank auf die Knie. Manch einer natürlich nur innerlich. Mir schien es so, als seien nun wirklich alle Festivalbesucher aus der letzten Zeltecke gekrochen um dem Panzergeschwader zu huldigen. Die Bühne erstrahlte erneut in tiefrotem Licht und ließ damit die Hölle erahnen, so wie es das Transparent am oberen Bühnenrand verkündete „Hell Is Here!“. BOLT THROWER kannten und erfüllten die Wünsche ihrer Jünger. Ob „World Eater“ oder „Cenotaph“, „No Guts, No Glory“ oder „Warmaster“ u.v.m. Karl Willets turnte wie ein (dicklicher ;-) 20jähriger über die Bühne und ließ seine graue Mähne kreisen. Metal-Herz, was willst du mehr? Dabei muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, dass die Engländer sich bewusst gegen den Auftritt beim Wacken Open Air und für das Party.San Open Air entschieden haben, obwohl hier wesentlich weniger Besucher erscheinen. Dafür eben nur die Elite!
Samstag: Slowly We Rot ... !
IMPERIOUS MALEVOLENCE

Bereits auf dem 2003er "Under The Black Sun Festival" hatte das brasilianische Trio in bester Black/Death-Manier zu überzeugen gewusst! Mit diesen äußerst positiven Erinnerungen vorbehaftet klemmten wir uns also am Samstag frühzeitig vor die Bühne um uns von einer südamerikanischen Breitseite aufwecken zu lassen. Das gelang den drei Herren dann auch sehr gut! Zwar sind mir nach wie vor alle Songs im Detail unbekannt aber die Live-Performance entschädigt die Nichtwissenden mit klassischem, druckvollem Metal, der düster und böse vorgetragen wird. Einen Song den dann aber fast jeder kannte intonierten IMPERIOUS MALEVOLENCE doch noch: "Sodomy and Lust" wurde vom brachialen 3er-Geschwader in hoher Geschwindigkeit, gnadenloser Härte und völlig ohne Samba-Trommeln in die Meute gefeuert. Diese Band würde ich mir auf jedem Festival zu jeder Zeit reinziehen, sie agiert einfach unglaublich "true"!!
KOLDBRANN
An den Norwegern KOLDBRANN scheiden sich die Geister. Für die einen ist es eine geniale Black/Thrash-Band, andere wiederum finden sie einfach nur langweilig. Wahr ist natürlich, dass KOLDBRANN den Black-Metal nicht gerade neu erfunden haben aber die Jungs um „Hans-Dampf-in-allen-Gassen“ Mannevond überzeugen durch angemessene Theatralik, mächtig Dampf und eingängige Songs, die manch einen der Anwesenden zum Bangen animieren. Dazu das klassische Leder-und-Nieten-Outfit und schließlich bereichern KOLDBRANN auch das Party.San 2008 um eine eindrucksvolle Extrem-Metal-Darbietung!
GENERAL SURGERY

Nachdem die Schweden zwischen 1992 und 2003 schon tot geglaubt waren, kam dann fast 18 Jahre nach der Bandgründung tatsächlich das erste full-length-Album mit dem typisch schwedischen und an bekanntere Landsmänner angelehnten Titel „Left Hand Pathology“ raus. Zwar ist mir im allgemeinen Line-Up-Chaos über die ganze Zeit nicht mehr ganz klar, wer überhaupt noch dabei geblieben ist (ich vermute niemand von damals!?) aber egal … GENERAL SURGERY mal live zu erleben war schon eine Augenweide und ein Ohrenschmaus zumal die Musiker sich uniform in weiße, bluttriefende Kittel geworfen hatten und ein sensationelles Grindcore-Massaker über die Wiesen von Bad Berka metzelten. Besonders hervorzuheben ist hier Bassist Andreas Eriksson, der perfekt den geisteskranken Chirurgen zum Besten gab.
VREID
Gekonnt verbinden VREID Black Metal mit rockigen Melodien, was das Publikum annimmt und gebührend bejubelt. Die vier Norweger in ihren grauen Uniformhemden haben bewiesen, dass sie auch auf großen Bühnen bestehen und nachmittags bei mehr oder weniger Sonnenschein die Leute in ihren düsteren Bann ziehen können.
MAROON

Zwar spielen MAROON nicht direkt Death oder Black Metal aber ihr hardcorelastiger Death(?)/Thrash kommt auch in diesen Gefilden gut an. Mitverantwortlich ist sicher das mitreißende Stage-Acting der fünf Thüringer, das dafür sorgt, dass man hin und her guckt und vom Trommelfeuer der Riffsalven dabei durchgeschüttelt wird. Kleines Randereignis: MAROON (bekanntlich eine vegane Straight-Edge-Band) wurden angeblich mit Würstchen beworfen. Das haben wir in mehreren Foren gelesen, selbst aber nichts davon mitbekommen. Sollte man vielleicht kurz erwähnen, dass es Kleingeister gibt, für die Respekt vor Kunst offenbar ein Fremdwort ist. Egal, für uns war MAROON eine der besten Bands des Festivals und so sahen es auch nicht wenige.
IMPALED NAZARENE

Die finnischen Thrashcore-Chaoten sind bekanntlich in den letzten Jahren in eine Hexenjagd der "überall-Faschos"-witternden Inquisiteure geraten und hatten oftmals Probleme, Konzerte zu spielen. Durch die Einladung des über jegliche Zweifel erhabenen Party.San sollten IMPALED NAZARENE nun endlich rein gewaschen sein und der letzte sollte begriffen haben, dass Kunst eben auch mal provoziert und nicht immer politische Ansichten der Künstler wiedergibt. Für mich als Fan der ersten Stunde war die Setlist des Gigs dann kaum zu glauben: Mit "Karmakeddon Warriors", "The Horny and the Horned" und dem alles vernichtenden "Sadhu Satana" wurden die besten drei Songs der Diskografie ausgepackt und bereits vor dem exzessiv-wahnsinnigen Schlussakkord "Goat Perversion" und "Total War - Winter War" zum Besten gegeben. Die Jungs um Mikka Luttinen boten eine nahezu perfekte IMPALED NAZARENE-Show, die sich durch mörderisches Tempo und kreativ-kranken Spielwitz noch für länger in den Gehörwindungen festfraß. Einfach geil!
BEHEMOTH

Daran, dass BEHEMOTH seit Jahren schon nicht mehr dem Black Metal zuzurechnen sind, haben viele sich ja längst gewöhnt. Dennoch gab es hier und da kritische Anmerkungen einiger Besucher hinsichtlich des Stilwandels. Inhaltlich allerdings ist der Wandel gar nicht auszumachen, bevorzugen BEHEMOTH doch auch anno 2008 die okkult-mystische Symbolik, die sogar im Gegensatz zu manchen plakativ und platt agierenden Black-Metal-Bands sehr glaubwürdig und kompetent vorgetragen wird. Der harte und völlig gitarrenorientierte Sound der Polen ist sowieso über jeden Zweifel erhaben, so dass höchstens die optische Anlehnung an DIMMU BORGIR auf manche etwas störend wirkt. Uns stört das aber überhaupt nicht, ermöglichen die Mannen um Fronter Nergal schließlich eindrucksvolle Fotos, die im perfekten Licht zwischen Feuerwellen aus der Pyro-Show sogar noch spektakulärer wirken. BEHEMOTH erschaffen eine beinahe schon zu perfekt inszenierte Düster-Metal-Show, die aufgrund ihrer musikalischen Stärke den für manch einen abschreckenden "Firlefanz" gar nicht nötig hätte.
OBITUARY

Mit "Find The Arise" startet die unvergleichliche Florida-Death-Machine direkt mit ihrem ältesten Klassiker und unfassbar druckvollem und geilem Sound in den Abschluss-Set dieses Festivals ein. Perlen der ersten Alben wechseln sich ab mit neuerem Material, alles immer im steten Fluß eines einmaligen Grooves, der sämtliche Köpfe erschwingen lässt. Zwischendurch wird ein cooles Drum-Solo Donald Tardys genauso eingestreut wie ein bei OBITUARY eher nicht zu erwartendes Gitarren-Solo. Aushilfs- oder Live-Gitarrist Ralph Santolla arbeitet viel mit dem Tremolo und entlockt seiner Flying-V neben dem obligatorischen sirenenartigen Geheule auch einige tief grollende Sounds. Absoluter Höhepunkt für mich ist die Intonation eines von John Tardy kurz und knapp als "old CELTIC FROST song" angekündigten Lieds, das sich entgegen meiner Erwartung nicht als "Circle of the Tyrants" sondern als "Dethroned Emperor" herauskristallisiert. Ich kann mein Glück nicht fassen und schüttele die Läuse aus dem Resthaar heraus, völlig entrückt in Sphären die seit zwanzig Jahren vergessen schienen genieße ich den Film der sich mir offenbart und taumele auch während des Rausschmeißers "Slowly we Rot" nur noch wie betäubt um die Bühne. Alleine für diese sechzig Minuten hat sich das Ausharren des ganzen Wochenendes gelohnt, vielen Dank an Veranstalter und Band für die Offenbarung eines mal wieder unvergesslichen OBITUARY Konzerts! The Xececutioner has returned!
Ein unvergessliches, entspanntes und feucht-fröhliches Metal-Wochenende mit Freunden ist auf einmal vorbei. Doch nach dem Festival, ist bekanntlich vor dem Festival! In diesem Sinne: C’mon Party.San!!
d. von junzt und claudia k.
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FUCK THE COMMERCE 2008
http://www.wahrschauer.net/content/view/97/99/
CHIMAIRA, MAROON, THE SORROW, DEAD SHAPE FIGURE - Berlin 14.03.2008
http://www.wahrschauer.net/content/view/73/99/
PARTY.SAN OPEN AIR 2007
http://www.rock-side.de/festivalberichte/partysan_open_air_2007_woodstock-feeling_in_thueringen.htm
MEGADETH, MERCENARY, EVILE - Berlin 10.02.08
http://www.wahrschauer.net/content/view/55/99/
BERLIN MOSHPIT 18.01.08
http://www.wahrschauer.net/content/view/52/99/